Wenn Lehrer sich freuen und Schüler nicht leiden – erster Werkstattbericht

Kooperative Berlin / Test_mit_Jacob

In den letzten Monaten hat das Team von “TafelDigital” eifrig an der Umsetzung der ersten Unterrichtseinheit für das Interaktive Whiteboard gearbeitet. Wir haben uns die entsprechende Hard- und Software zugelegt, Material zum Thema “Stasi” recherchiert und bearbeitet, Aufgabenvorschläge erarbeitet und Rohfassungen der Unterrichtseinheit mit Lehrern getestet. Wie unsere Arbeit bei den Lehrern ankam und woran wir noch werkeln werden – dazu hier unser erster Werkstattbericht.

Leitfragen bei den ersten externen Tests waren:

  • Wie lang sollte die Unterrichtseinheit sein?
  • Wie wird eine Unterrichtseinheit möglichst interaktiv?
  • Welchen Mehrwert versprechen sich Lehrer vom IWB?
  • Welche Wünsche haben die Lehrer an die grafische Umsetzung?

Umfang (ca. 90 – 120 Minuten), Thema und Titel der Unterrichtseinheit stießen bei unseren Test-Lehrern sofort auf Gegenliebe. “Die Stasi – ein Geheimdienst wie jeder andere?” lautet die Forschungsfrage, mit der sich Schüler (ab Klasse 9, alle Schultypen) im Verlauf der Unterrichtseinheit auseinandersetzen. Auch die vier Elemente der Unterrichtseinheit wurden von den Lehrern grundsätzlich begrüßt:

  • ein Spiel, das an “DalliKlick” erinnert,
  • eine Mindmap,
  • ein Wissensquiz mit Erklärtexten,
  • Gruppenarbeit zu Macht und Methoden der Stasi.

Den Anregungen unserer Testlehrer folgend haben wir die Reihenfolge dieser Elemente noch einmal leicht überarbeitet, das DalliKlick-Spiel drastisch gekürzt und die Mindmap um ein “Sortierspiel” ergänzt (so dass auch in Klassen mit wenig Hintergrundwissen erste Begriffe zum Thema erarbeitet werden können). Das Wissensquiz wird in den nächsten Tagen noch einmal überarbeitet. Hier wollen wir Informationen über die Stasi und heutige Geheimdienste in möglichst kompakter, ansprechender Form aufbereiten – ohne dass Schülergehirne und -augen leiden müssen.

Auf großes Interesse stießen unsere Aufgabenvorschläge für den Hauptteil der Unterrichtseinheit. Hier können Schüler wählen, ob sie sich ein Video über den Schriftsteller Jürgen Fuchs ansehen oder ein Audio über eine Ärztin aus der DDR anhören wollen. In beiden Beiträgen geht es um Methoden, die die Stasi anwendete, um Bürger der DDR zu kontrollieren – mit schwerwiegenden Folgen für Psyche und Physis der Opfer.

Das Audio- und Video-Material, das wir in leicht überarbeiteter Form vom Schwesterprojekt DeineGeschichte.de übernommen haben, wurde von den Testlehrern hoch gelobt. Es ist inhaltlich interessant und sprachlich klar, so dass es sich sogar für den Unterricht mit Schülern eignet, die Deutsch als Fremdsprache erlernen, so Jacob Chammon, Leiter der Deutsch-Skandinavischen Gemeinschaftsschule Berlin-Tempelhof.

Richtig kreativ wurden unsere Testlehrer bei der Frage, welche Aufgabenvarianten man (zum Beispiel in einer zusätzlichen Handreichung) anbieten und wie das Stundenende gestaltet werden könnte. Maria Benning, Lehrerin am John-Lennon-Gymnasium, mag es lieber „straight“ und regte an, Spiele und Zusatzmaterial in einem eigenen Dateiordner, einer Art „Materialkoffer“, zu hinterlegen. Mit dem könnten Lehrende auch noch die Folgestunde oder Vertretungsunterricht bestreiten. Jacob Chammon plädierte dafür, bei allen Aufgabentypen auch die Situation in Computerräumen und Laptop-Klassen mitzudenken.

Die Anregungen unserer Testlehrer werden wir nun einarbeiten und in der nächsten Woche an die grafische Gestaltung der Unterrichtseinheit gehen (zu der unsere Testlehrer auch schon ihr Votum abgegeben haben). Wir halten Sie auf dem Laufenden und danken an dieser Stelle noch einmal herzlich:

Maria Benning, die uns wichtige fachdidaktische Hinweise gab, unser IWB gleich mit-testete, den Begriff “junk-knowledge” lehrte und uns ermutigte, dicht am Stundenthema zu bleiben.

Jacob Chammon, der unsere Abneigung gegenüber “Tankstellenpädagogik” (der Lehrer macht beim Schüler eine Klappe auf und kippt Wissen rein) teilt, in der “IT-Wüste Europas” unermüdlich nach Oasen und Bewässerungsmöglichkeiten sucht und uns darin bestärkte, das IWB (auch) als Tool für Schüler zu sehen.

Sie wollen mehr über das von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderte Projekt “Tafeldigital” oder unsere erste Unterrichtseinheit wissen? Sie möchten das Material als Eine/r der Ersten testen? Dann schreiben Sie mir doch eine E-Mail! An: Miriam Menzel, miriam(at)kooperative-berlin.de

Foto: Jacob Chammon testet. Miriam Menzel fragt nach. Ines Schneider fotografiert.

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