Liebe auf den ersten Blick?

Flickr / MightyPirateThreepwood

Wann und wo sind Sie eigentlich das erste Mal über ein interaktives Whiteboard gestolpert? War es “Liebe auf den ersten Blick”? Oder haben Sie auch so Ihre Probleme mit der digitalen Tafel? Unsere Autorin Jaana wundert sich bis heute über die hohen Anschaffungskosten, mangelnden Kundenservice und nie bestellte Newsletter. Für TafelDigital.de hat sie noch einmal in ihren Erinnerungen gekramt und berichtet hier von ihrer ersten Begegnung mit dem IWB…

Erst einmal galt es tief im Gedächtnis zu kramen, um herauszufinden, wann das noch einmal war, als ich zum ersten Mal über interaktive Whiteboards gestolpert bin. Just bei diesem Gedankengang und dem durch die Redewendung des “Darüberstolperns” entstandenen Bildes wurde mir klar, wann das war: auf der didacta 2011, der größten Bildungsmesse Europas – Halle um Halle gefüllt mit digitalen Tafeln. Zu diesem Zeitpunkt waren sie bereits keine komplett Fremden mehr für mich. Das Schlagwort “Whiteboard” war schon öfter mal gefallen. In den Bildungsressorts der Medien hatte langsam die Diskussion über ihren Sinn begonnen. Die ersten bloggenden Lehrer nahmen das Thema auf, manche berichteten bereits über erste Erfahrungen aus der Praxis. Mir war ihr Sinn zu diesem Zeitpunkt noch verborgen. Die didacta 2011 schaffte es aber auch nur bedingt, diese Bildungsneuheit mit Sinn zu füllen.

Mir war schleierhaft, was an diesen überteuert wirkenden Endgeräten so wertvoll sein soll, dass sich ihre Anschaffung tatsächlich lohnt. Schließlich sind sie im Prinzip nur eine Kombination aus Beamer, Rechner, DVD-Player und Tafel. Sonderlich interaktiv kamen sie mir auch nicht vor. Ein Jahr und viele Recherchen später hatte ich mich an den Anblick der interaktiven Whiteboards gewöhnt – so sehr, dass ich ihren Sinn nicht mehr ganz so stark infrage stellte. Schließlich kann es nicht ewig mit Kreide auf Schiefer weitergehen und praktisch ist diese Kombination verschiedener technologischer Endgeräte ja auch. Zudem gibt es ein paar – nennen wir sie mal – “Gadgets”, die durchaus einen Mehrwert bieten: Ich denke da beispielsweise an die Möglichkeit, handschriftlich in Dokumente zu schreiben und zu malen oder Bildschirmfotos von Tafelbildern zu machen, die den Schülern per Mail zugeschickt werden können. So haben künftig alle, auch die Abwesenden, dasselbe in ihren Schulheften stehen. Eines jedoch hat sich nicht geändert: Überteuert kommen sie mir immer noch vor.

Man kann lange über den Sinn und Unsinn der digitalen Tafeln streiten, aber das bringt einen irgendwann nicht mehr weiter, schließlich sind sie schon in vielen Schulen vorhanden, stehen in Projekt- oder Fachräumen, an ein paar wenigen Schulen auch in jedem Klassenzimmer. Oftmals werden sie nicht oder nur vereinzelt genutzt. Ein paar interessierte Lehrer finden neben dem Schulalltag die Zeit, sich in das System hinein zu fuchsen und so den Mehrwert der interaktiven Whiteboards auszuschöpfen. Die Mehrheit jedoch bleibt ratlos vor den großen weißen Tafeln zurück – meist alleine, denn so etwas wie Medienbeauftragte, die weiterhelfen können, gibt es nur an vereinzelten Schulen.

Auch derjenige, der im Internet oder bei den Herstellern nach Rat sucht, kommt oftmals nicht weiter. So entpuppen sich Tutorials als Werbevideos und ein Telefonanruf beim Hersteller endet in der Warteschleife bzw. kommt gar nicht erst zustande, denn es ist keine Telefonnummer auffindbar, die weiterhelfen könnte. Schreibt man eine E-Mail an den Hersteller, verweist dieser meist auf die Händlersuche auf der jeweiligen Seite. Kontaktiert man einen Händler, bekommt man oftmals eine Antwort, die sich grundlegend von den Auskünften der Hersteller unterscheidet. So geht es mir beispielsweise momentan, auf der Suche nach einer Lizenz für eine SMART-Software – allerdings ohne SMART-Endgerät. Der Hersteller sagt: “Kein Problem”, und verweist auf seine Händler, aber ich finde keinen, der mir eine solche Lizenz verkauft, ohne mir dabei ein interaktives Whiteboard anzudrehen. So telefoniere ich mich durch die Händler in ganz Deutschland, schreibe E-Mails, bekomme kaum Antworten, aber öfter mal einen Newsletter, den ich nicht abonniert habe. Der Markt der interaktiven Whiteboards zeigt sich in der Informationsbeschaffung, den Herstellervergleichen und der Beratung undurchsichtig. Hier gilt es in den kommenden Beiträgen ein wenig Abhilfe durch die Veröffentlichung unserer Rechercheergebnisse zu schaffen. Stichwörter sind dabei: Hardwarevergleich, Softwarekompatibilität und Fortbildungen, um nur ein paar der möglichen Themen zu nennen.

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